In einem SHK-Betrieb mit 65 Mitarbeitenden weiß der Inhaber, welcher Monteur welche Anlage kann, welcher Kunde welche Eigenheiten hat, welcher Lieferant bei Engpässen liefert. Dieses Wissen ist nirgends dokumentiert. Es lebt im Kopf eines Menschen, der in drei Jahren in Rente geht.
Das Nachfolge-Paradox
Die größte Herausforderung bei der Nachfolge im Handwerk und Bau ist nicht, dass es keine Nachfolger gibt. Es ist, dass der Betrieb als System nicht beschrieben ist. Was der Inhaber als „Erfahrung" empfindet, ist in Wahrheit ein Entscheidungssystem – undokumentiert, aber hochfunktional.
Wenn wir eine Betriebsleitung oder Geschäftsführung in einem solchen Unternehmen besetzen, ist das Decision Inventory der erste Schritt: Welche Entscheidungen trifft der Inhaber regelmäßig? Über Aufträge, Personal, Einkauf, Kunden, Qualität? Mit welchen Kriterien? Aus welchen Informationsquellen?
„Die wertvollsten Betriebe im Mittelstand sind oft die am schlechtesten dokumentierten. Das ist kein Zufall – es ist die Kehrseite unternehmerischer Intuition."
Dokumentation als Übergabe-Instrument
Das Decision Inventory ersetzt nicht die Erfahrung des Inhabers. Aber es macht sie übertragbar. Für jeden der typischerweise sechs bis zehn Kernentscheidungen eines Handwerksbetriebs dokumentieren wir: Wer entscheidet? Nach welchen Kriterien? Welche Informationen braucht es? Was passiert bei Eskalation?
Im Impact Ramp – den 60 Tagen nach der Besetzung – arbeiten alter und neuer Inhaber (oder Betriebsleiter) gemeinsam an diesen Entscheidungen. Nicht als Coaching-Gespräch, sondern als dokumentierte Praxis: Der Neue entscheidet, der Alte kommentiert, das Decision Log hält fest.