Disposition im Mittelstand ist einer der Bereiche, in denen KI die stärkste Hebelwirkung hat. Routenoptimierung, Bestandsprognosen, Lieferanten-Scoring — alles Entscheidungen, die durch Algorithmen schneller und oft besser getroffen werden als durch Menschen. Die Frage ist nicht ob, sondern wer steuert.
Der Disponent als Entscheidungsinstanz
Ein Logistikunternehmen mit 200 Fahrzeugen hat seine Routenplanung auf KI umgestellt. Die Routen sind kürzer, der Dieselverbrauch ist gesunken, die Kunden zufriedener. Aber der Disponent, der seit 15 Jahren die Touren plant, fühlt sich überflüssig. Sein Wissen — welcher Fahrer mit welchem Kunden kann, welche Rampe morgens überlastet ist, wann der Stau auf der A5 wirklich anfängt — steckt nicht im System.
Das Ergebnis: Der Algorithmus plant die optimale Route. Der Disponent korrigiert sie. Niemand weiß, wer Recht hat. Es gibt keine Dokumentation, keine Review-Gates, keine Entscheidungsrechte. Jeden Morgen ein informeller Machtkampf zwischen Mensch und Maschine.
Die Lösung: Entscheidungsrechte klären
3turm hat für die Dispositionsleitung ein Decision Inventory erstellt. 8 Kernentscheidungen identifiziert. Für jede definiert: Was darf die KI allein? (Standardrouten, Bestandsnachbestellungen.) Was braucht menschliches Urteil? (Fahrer-Kunden-Zuordnung, Ausnahme-Routen bei Sondertransporten.) Und wer eskaliert, wenn KI und Disponent unterschiedlicher Meinung sind?
KI ersetzt den Disponenten nicht. Sie verändert seine Rolle — von der Routenplanung zur Ausnahmesteuerung. Aber das muss jemand definieren.